Diese beiden Dinge sollte man nie verwechseln, und meistens passiert das auch nicht. Aber sie haben eine gemeinsame Oberfläche – warme Nachrichten, Aufmerksamkeit auf Abruf, die Einladung zu zahlen –, und Betrüger haben gemerkt, dass Menschen, die KI-Companions kennen, an beides gewöhnt sind.
Wie groß das Problem ist
Romance Fraud gehört in den USA zu den teuersten Betrugsmaschen. 2023 meldeten Betroffene der Federal Trade Commission (FTC) Verluste von 1,14 Milliarden US$ durch Romance Scams, bei einem mittleren Schaden von 2.000 US$ – dem höchsten aller Betrugsmaschen mit falscher Identität. Allein in den ersten neun Monaten von 2025 überschritten die gemeldeten Verluste 1,16 Milliarden US$ bei mehr als 55.000 Meldungen.
Das sind nur die gemeldeten Fälle in den USA. Polizei und Verbraucherbehörden beschreiben Liebesbetrug übereinstimmend als stark unterschätzt, vor allem aus Scham.
Die FTC stellte außerdem fest, dass fast 60 % der Menschen, die 2025 durch einen Romance Scam Geld verloren, den Kontakt in sozialen Netzwerken begonnen hatten. Die Masche war auf ihr Profil zugeschnitten, und die Geldforderung kam als plötzliche Notlage oder als freundschaftlicher Tipp für eine Investmentplattform.
Was KI am Liebesbetrug verändert hat
Früher hatten Romance Scams Erkennungsmerkmale: holpriges Deutsch, dieselben Stockfotos in der umgekehrten Bildersuche, Ausreden gegen Videoanrufe. KI hat die meisten davon beseitigt.
- Fehlerfreie Nachrichten in jeder Sprache. Ein Betrüger muss nicht mehr gut schreiben und nicht einmal deine Sprache sprechen.
- Fotos, die es sonst nirgends gibt. Generierte Gesichter überlisten die umgekehrte Bildersuche.
- Video und Stimme, die live gefälscht werden können. Gesichtstausch und Stimmklonen laufen in Echtzeit auf gewöhnlicher Hardware.
- Masse. Ein einziger Täter kann Dutzende überzeugende Gespräche gleichzeitig führen, während ein Chatbot tippt.
Der alte Rat „Bitte um einen Videoanruf“ entscheidet deshalb nichts mehr.
Vier Zeichen, die eine App von einem Scam trennen

Die Grenze zwischen Companion-Produkt und Betrugsmasche.
1. Sie gibt sich als Mensch aus. Eine Companion-App sagt dir, dass sie eine KI ist. Für Chatbots schreibt das auch der EU AI Act in Art. 50 vor, der ab dem 2. August 2026 gilt – mehr dazu in KI-Companions und das Recht in Deutschland und der EU. Ein „Mensch“, den du online kennengelernt hast und der auffallend verfügbar, auffallend zugewandt und nie zu einem Treffen bereit ist, ist das Gegenteil.
2. Das Geld läuft an der Bezahlseite vorbei. Companion-Apps kassieren über einen App-Store oder eine Kartenzahlungsseite, mit Beleg und Kündigungsweg. Betrüger verlangen Überweisungen, Geschenkkarten, Kryptowährung oder Einzahlungen auf einer „Investmentplattform“, von der du nie gehört hast.
3. Es gibt eine Notlage mit Frist. Eine Krankenhausrechnung, eine Zollgebühr, ein gesperrtes Konto, ein Ticket nach Hause – immer dringend, immer nur von dir lösbar, immer heute. Produkte machen das nicht, Leute mit einer Betrugsmasche schon.
4. Sie will dich woanders haben. Das Gespräch wird schnell zu WhatsApp, Telegram oder einem anderen privaten Messenger verlegt, weg von der Moderation der Plattform und von deinem Chatverlauf.
Schon eines dieser Zeichen ist ein Grund, aufzuhören. Zwei zusammen sind fast sicher ein Scam.
Betrug, der gezielt Companion-Nutzer trifft
Manche Betrugsmaschen zielen auf Menschen, die schon KI-Companions nutzen, weil sie bekanntermaßen für digitale Nähe zahlen.
- Fake-Apps. Kopien bekannter Apps mit leicht abgewandelten Namen, in den Stores oder als Download über Werbeanzeigen. Installiere nur über den offiziellen Store-Eintrag oder die Website des Anbieters.
- „Premium freischalten“-Angebote. Billiger Lifetime-Zugang, geknackte Versionen oder Credit-Pakete über Telegram-Kanäle oder soziale Netzwerke. Im besten Fall ist das Geld weg, im schlimmsten Fall die Zugangsdaten.
- Kontoübernahme. Phishing-Mails, die wie Zahlungsprobleme aussehen. Ein gekapertes Konto legt deinen ganzen Chatverlauf offen – Schutzmaßnahmen stehen in Kontosicherheit bei KI-Companion-Apps.
- Sextortion. Intime Bilder, echt oder generiert, dienen dazu, Zahlungen zu erpressen. Alles, was du in eine App oder einen Chat schickst, kann nach außen gelangen – siehe wo deine Bilder tatsächlich liegen.
- „KI-Freundin“-Konten in sozialen Netzwerken. Profile, die sich als KI oder Model ausgeben und dich per Direktnachricht zu einem Zahlungslink drängen. Ein echtes Produkt hat eine Website und eine Bezahlseite, keine DM.
Wenn du schon Geld geschickt hast
- Hör auf zu zahlen. Auch die „letzte Zahlung, damit alles freigegeben wird“, die immer zum Drehbuch gehört.
- Ruf sofort deine Bank oder den Kartenherausgeber an. Überweisungen und Kartenzahlungen lassen sich manchmal stoppen oder zurückbuchen, wenn du schnell bist.
- Sichere alles – Nachrichten, Benutzernamen, Wallet-Adressen, Belege. Lösche das Gespräch nicht, auch wenn du es am liebsten würdest.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei, auf einer Dienststelle oder über die Onlinewache deines Bundeslands. Sie ist kostenlos. Wer schon Geld über das eigene Konto weitergeleitet hat, sollte vorher rechtlichen Rat einholen. Die Verbraucherzentrale erklärt beim Love Scamming, was Betroffene beachten müssen.
- Ignoriere Rückholangebote. Wer gegen Gebühr verspricht, dein Geld zurückzuholen, gehört zur zweiten Hälfte derselben Masche und sucht sich gezielt Menschen, die gerade einen Verlust gemeldet haben.

polizei-beratung.de – Hinweise der Polizei zu Romance Scamming.
Die einfache Regel
Ein KI-Companion kann überteuert sein, bei Upgrades aufdringlich oder enttäuschend – und trotzdem genau das, was er zu sein vorgibt. Ein Romance Scam ist vom ersten Satz an eine Lüge. Der Test ist fast immer das Geld: Ein Companion verlangt es nur über seine eigene Bezahlseite. Was es anders verlangt, ist kein Companion, egal wie es sich nennt.